Ein aktueller ORF-Bericht erweckt den Eindruck, dass viel “faires” Fleisch in den Regalen landet. Doch wie schaut die Realität wirklich aus? Wir haben bei HOFER nachgefragt und erstaunliche Antworten erhalten.

Ein Beitrag von oekoreich.com

Offengelegt: Nur 4,5 Prozent „faires“ Fleisch im Supermarkt-Regal

Am 19. Mai 2021 wurde in der beliebten ORF-Sendung “Konkret” ein umfangreicher Fernsehbeitrag gezeigt, in dem über Tierwohl in der Schweinefleischerzeugung berichtet wurde. Zum Gespräch gebeten hatte man unter anderem eine Sprecherin der deutschen Handelskette HOFER, den maßgeblich von diesem Konzern finanzierten Verein „Land schafft Leben“ und einen Bauern, der Fleisch für das Programm „FairHof“ erzeugt. Zu sehen gab es viele schöne Bilder, eine Reihe von netten Worten und jede Menge eindrückliche Botschaften.

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Wird wenigstens auf das AMA-Gütesiegel gesetzt?

Doch am Ende blieb bei vielen Zuseher*innen die Frage offen, wie viel von diesem „fairen“ Fleisch sich nun tatsächlich im Supermarkt findet? Wir haben bei HOFER nachgefragt. Denn es ist gut und wichtig, wenn Lebensmittelkonzerne und Fleischproduzenten auf mehr Tierwohl, mehr Naturschutz und faire Preise für die Landwirte setzen – aber es sollte immer auch dazu gesagt werden, welchen konkreten Anteil das an der Gesamtproduktion hat. Damit die Relation in der öffentlichen Darstellung auch stimmt.

Das wollten wir von HOFER wissen

Wir von oekoreich haben also einmal mehr unseren Kontakt bei der Public-Relations-Agentur „Rosam Grünberger“ angeschrieben, die HOFER betreut und für ihn bei Medienanfragen antwortet. Wir wollten wissen: Wie groß ist jeweils der Anteil an konventionell erzeugten, an „FairHof“- sowie an Bio-Produkten am HOFER-Sortiment im Fleisch- und Wurstbereich? Wer genau sind die Lieferanten des „FairHof“-Programms? Und wie hoch ist eigentlich der Preisunterschied im Ein- und Verkauf je nach Erzeugungsart?

Man orientiert sich an den Richtlinien der “Gesellschaft Zukunft Tierwohl”

Nicht zuletzt wollten wir aber auch wissen, ob „FairHof“ durchgängig AMA-zertifiziert ist. Wir wollten also erfahren, aus welchen Quellen das „FairHof“-Programm seine Produkte bezieht und wie sich der erhöhte Verkaufspreis auf die Entlohnung der zuliefernden Landwirte auswirkt. Außerdem ist es gerade jetzt interessant für uns zu erfahren, wer in Österreich noch auf das AMA-Gütesiegel setzt, das gerade bei Schweinefleisch ja einigermaßen in Kritik geraten ist und dessen Reform vor kurzem angekündigt wurde.

Das hat uns HOFER antworten lassen

Uns wurde schnell und höflich geantwortet. Das dauerhafte HOFER-Sortiment umfasse derzeit rund 1.500 Artikel, so die PR-Agentur. Davon wären rund 10 Prozent Bio, das sei ein Spitzenwert im heimischen Lebensmittelhandel. Lieferant von „FairHof“ sei die Firma Hütthaler, so die Agentur, ein oberösterreichisches Unternehmen, das bei dieser Produktlinie seine Standards an den Richtlinien der „Gesellschaft!ZukunftTierwohl!“ orientiere, die ausgerechnet vom Verein gegen Tierfabriken mitbegründet wurde, der nach wie vor in ihrem Vorstand sitzt.

Wieso gibts im ORF eine derart breite Berichterstattung darüber?

Derzeit würden bei HOFER insgesamt 70 Produkte unter der Linie „FairHof“ angeboten werden, davon exakt 45 Artikel mit Schweinefleisch. Die angebotenen Lebensmittel wären zwar nicht AMA-zertifiziert, aber mit dem Programm „Check your Product“ abgesichert. Sie würden ausschließlich in Österreich erzeugt. Wieso man aber das Fleisch nicht von der AMA kontrollieren lasse, wenn es ohnehin in Österreich erzeugt wird, wurde uns nicht beantwortet. Das finden wir mehr als bedauerlich und auch nicht nachvollziehbar.

Resümee: Schöne Bilder, wenig faires Fleisch

Wir können also auf Basis dieser Nachfrage beim Handelskonzern festhalten, dass aktuell lediglich rund 4,5 Prozent „faires“ Fleisch im HOFER-Supermarktregal landet. Wir müssen den Angaben des Konzerns und seines Lieferanten Hütthaler vertrauen, aber einer unabhängigen AMA-Kontrolle unterziehen sie sich offenbar nicht – und es ist nicht klar, wieso sie das nicht machen. Das genannte Tierwohlprogramm „FairHof“ von HOFER ist aber zumindest gentechnikfrei und wohl auch aus österreichischer Produktion.

Was uns aber nach wie vor beschäftigt ist die Frage, wie ein derart minimaler Anteil an Tierwohl bei einem einzigen Handelskonzern eine so umfangreiche und zudem einseitige Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk rechtfertigt. Denn im Interesse der Ausgewogenheit sollte man bei diesen Berichten stets auch die Relation anführen, damit der Bildungsauftrag vollumfänglich erfüllt wird und nicht der Eindruck entsteht, dass es sich um eine Werbeeinschaltung der Firma HOFER handelt. Und es ist nicht das erste Mal, dass so ein Bericht im ORF-Magazin Konkret erscheint, wo manche den Eindruck haben, dass es sich um versteckte Werbung handle. Wir werden dem jedenfalls nachgehen.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Fleisch vom HOFER

Greenpeace-Report: „Weniger Fleisch ist mehr“

Fleischkonsum hat drastische Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit – Zahl an Nutztieren muss weltweit reduziert werden – Qualität statt industrieller Massenware.

Für einen gesunden Planeten braucht es eine deutliche Reduktion des Fleischkonsums und der Nutztierhaltung. Zu diesem Schluss kommt ein internationaler Bericht der Umweltschutzorganisation Greenpeace, der soeben veröffentlicht wurde. Darin werden die Folgen der Nutztierhaltung für Umwelt und Gesundheit analysiert. Die Produktion von Fleisch ist in den letzten Jahrzehnten weltweit stark gewachsen, und in vielen Regionen der Erde haben sich ungesunde Ernährungsmuster durchgesetzt. Das hat drastische Auswirkungen auf Klima, Wälder und Artenvielfalt, aber auch auf die individuelle Gesundheit. Greenpeace empfiehlt auf Basis der wissenschaftlichen Daten eine ausgewogene Ernährung. Diese kann etwa 300 Gramm Fleisch pro Woche enthalten.

„Die industrielle Fleischproduktion ist überall auf der Welt auf dem Vormarsch.

Auf den Tellern landet daher oft billige, minderwertige Massenware. Die Herstellung von solchem Billigfleisch schadet der Umwelt massiv“, erklärt Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftssprecher bei Greenpeace in Österreich. „Und der Konsum wächst: Innerhalb von nicht einmal 50 Jahren hat sich die weltweite Anzahl an geschlachteten Hühnern, Schweinen und Rindern mehr als verdreifacht. In der EU leben inzwischen deutlich mehr Nutztiere als Menschen.“ Global gesehen verursacht die Tierhaltung 14,5 Prozent aller Treibhausgase, das ist mehr als alle Autos, LKWs und Schiffe zusammen. Geht der Trend ungebremst weiter, werden im Jahr 2050 sogar 52 Prozent der Treibhausgase aus der Landwirtschaft kommen, 70 Prozent davon wiederum aus der Nutztierhaltung. Der Fleischproduktion fallen außerdem riesige Flächen an Urwald zum Opfer, etwa im Amazonas. Und auch die Artenvielfalt und die wildlebenden Tiere leiden: Seit 1970 ist ihre Zahl auf der Erde um die Hälfte zurückgegangen.

Gravierend sind laut dem Report weiters die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit.

Theissing-Matei: „Gemäß der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung sollten wir, um gesund zu bleiben, nicht mehr als drei Portionen von je 100 bis 150 Gramm Fleisch pro Woche konsumieren. Die Österreicherinnen und Österreicher essen im Schnitt rund 1,2 Kilo Fleisch pro Woche – also etwa das Dreifache. Dabei ist ungesunde Ernährung – zu viel Fleisch, Fett und Zucker – einer der Hauptgründe für frühzeitige Todesfälle.“ Untersuchungen belegen etwa, dass ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch und bestimmten Krebsarten besteht, darunter Darm-, Magen-, oder Speiseröhrenkrebs. Durch den regelmäßigen Konsum von Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten oder Vollkornprodukten lässt sich das Risiko für koronare Herzkrankheit, Diabetes, Schlaganfall und bestimmte Krebsarten hingegen senken.

Auch viele Bäuerinnen und Bauern würden unter dem derzeitigen System leiden, so Theissing-Matei.

„Der extreme Druck, immer mehr Fleisch immer billiger produzieren zu müssen, macht vielen Betrieben zu schaffen.“ Für Greenpeace ist wichtig, dass Nutztierhalterinnen und -halter ein faires Einkommen erhalten und dadurch hohe Standards aufrechterhalten können. Hier sieht die Umweltschutzorganisation vor allem die Politik gefordert. „Fördermittel müssen in erster Linie regional wirtschaftenden Betrieben zugutekommen, die über dem gesetzlichen Mindeststandard produzieren. Außerdem sollte die öffentliche Beschaffung auf den Einkauf von Billigstfleisch unbekannter Herkunft verzichten und stattdessen auf höhere Qualität, am besten Bio, setzen“, so Theissing-Matei.

Unter dem Strich zeigen die Daten des Greenpeace-Reports eindeutig, dass eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung und ein gesunder Planet Hand in Hand gehen. „Wer weniger, dafür aber besseres – im Idealfall biologisches – Fleisch isst, erweist nicht nur der Erde, sondern auch der eigenen Gesundheit einen großen Dienst“, sagt Theissing-Matei und zeigt sich optimistisch. „Schon jetzt begeistern sich immer mehr Menschen in Österreich für eine gesunde Ernährung und wollen Fleisch wieder bewusst genießen anstatt täglich industrielle Massenware auf ihren Tellern vorzufinden. Greenpeace empfiehlt eine ausgewogene Ernährung. Diese kann ruhig etwa 300 Gramm Fleisch pro Woche enthalten.“

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Es gilt die Unschuldsvermutung



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