„Wenn du nicht Erster werden willst, wirst du auch nicht Dritter“, sagt Dr. Tono Hönigmann, eine Institution im Sportjournalismus. Und: „Im Sport lernst du zu verlieren – das ist Lebenskunde.“

Tono Hönigmann wurde am 11. November 1960 in Klagenfurt geboren. Schon als Kind stand für ihn fest, einmal Sportreporter zu werden, was er 1979 unter ORF-Landessportchef Willy Haslitzer auch umsetzte. Er war bei nahezu allen großen Veranstaltungen „zu Hause“, darunter in den Tennis-Mekkas Wimbledon und Paris, den bekanntesten Skirennen, bei Segelwettbewerben, Judowettkämpfen, Radrennen, der Formel I, Leichtathletik-Events und natürlich bei Fußball- und Eishockeyspielen.

In den 1990er Jahren arbeitete Dr. Tono Hönigmann neben dem ORF für 3sat, eine Zeitlang auch für das ZDF-Fernsehen. Er berichtete von insgesamt neun Olympischen Spielen, sechs Fußball- und 16 Eishockey-Weltmeisterschaften sowie neun Mal von der Nordischen WM. Dazu kamen bemerkenswerte Berichte vom Ironman auf Hawaii oder der Super Bowl. Seit 1995 ist Tono Hönigmann Sportchef des ORF Kärnten

Tono, an Deinem Geburtstag wird der Fasching geweckt.

Ja, das hat offenbar etwas mit meiner Lebenseinstellung zu tun: Ich bin eine Frohnatur.

Wie hast Du es so schnell zu Deinem Traumjob geschafft?

Da war ich wirklich noch jung. Kurz nach der Matura hatte ich das Glück, Edi Finger senior bei seinem Kärnten-Urlaub kennen zu lernen. Er war erstaunt, was ich damals schon alles über den Sport wusste und hat mich dann dem neuen ORF-Sportchef Willy Haslitzer ans Herz gelegt.

Deine Eltern waren sportbegeistert?

Sie waren Schuldirektoren und wollten natürlich, dass ich zuerst ein Studium abschließe, bevor ich mich dem Job eines Sportreportes widme. Zum Glück hat beides geklappt: Ich habe neben meinem Traumberuf auch noch studiert.

Hast Du einen so genannten Mentor?

Ich habe zwei. Zuerst eben der legendäre Edi Finger senior. Mit Willy Haslitzer hat sich dann eine wunderbare Zusammenarbeit und Freundschaft entwickelt.

Freundschaft unter Journalisten, gibt es das überhaupt?

Ganz selten. Es kommt auf die gegenseitige Wertschätzung an. Dass sich Journalisten selten gegenseitig loben, ist völlig normal, es dürfte wohl mit einem gewissen Konkurrenzdenken zu tun haben. Bei Willy war das aber nicht der Fall. Übrigens finde ich es schön über Berufserfahrungen zu plaudern – und zwar ehrlich und ohne Neid.

Was zeichnet einen guten Sportreporter aus?

In erster Linie eine umfassende Allgemeinbildung, und damit meine ich nicht den Sport alleine. Da geht es um weit mehr, angefangen von der Aussprache der Länder- und Städtenamen, über die Geschichte des jeweiligen Veranstalterlandes bis hin zur aktuellen politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und natürlich sportlichen Situation. Dies alles in seinen Kommentar einzubauen macht einen guten Sportreporter aus.

Und wie schafft man das?

Eine solide schulische Ausbildung muss man wohl haben. Dazu sollte die Neugierde kommen, aber das unterscheidet einen Sportjournalisten sicher nicht von einem Kollegen in anderen Bereichen, wie im Politik- oder Wirtschaftsressort. Es geht darum: Was willst du wissen, wie fragst du danach, und wie setzt du das um, sprich, wie bringst es deinen Lesern, Hörern oder Sehern nahe?

Wie waren Deine ersten Jahre beim ORF Kärnten?

Willy Haslitzer hat mir alles beigebracht und mich schon bald ins kalte Wasser geworfen. Dann haben wir das „Kärntner Eishockey-Magazin“ erfunden, das 2011 sein 30-jähriges Jubiläum feiern wird. Ich habe immer mit Nachdruck erklärt, dass wir Reporter dort sein müssen, wo unsere Kärntner Spitzensportler sind – und zwar überall im Sommer und Winter. Das hat es vorher im österreichischen Radio nicht gegeben, und das hat die ORF-Chefs in Wien auf mich aufmerksam gemacht.

Und das Studium?

Ich habe in Klagenfurt neben meiner ORF-Tätigkeit französisch, spanisch und Medienkommunikation studiert.

Du bist in deinem Job viel unterwegs, wie kannst Du Dich verständigen?

Sprachen waren immer eine Faszination für mich, und natürlich die dazugehörenden Länder. Und das deckt sich wiederum mit dem Sport: Spanisch war und ist meine Lieblingssprache, weil das Spanische die Fußballsprache Nummer 1 ist. Dann kommen italienisch, englisch und französisch dazu. Apropos viel unterwegs: Es waren manchmal sechs Monate und mehr in einem Jahr.

Du bist einer der bekanntesten Sportreporter – gibt es andere Interessen?

Jeder hat Interessen abseits seines Berufes. Ich hatte das Glück, neben Sportreportagen auch Kulturberichte für den ORF zu machen. Ich bin auch sehr glücklich, wenn Menschen im ORF meine Reiseberichte mögen. Auch privat sind Kultur, Sport und Reisen mein Leben.

Und welche Art der Kultur?

Kultur ist ebenso weit gestreut wie der Sport: Ob man von einem Michelangelo redet oder der Bauweise romanischer Kirchen. Die meisten Kulturschaffenden haben auch eine Beziehung zum Sport. Wenn du im Theater anfängst über Sport zu reden, dann hast du ein zweites Thema neben der aktuellen Aufführung.

Was sagst Du zum angeblichen Dopingfall Graf?

Es ist doch etwas auffällig, dass man sich in der Leichtathletik ein kleines Land wie Österreich aussucht – mit jemandem, der schon lange nicht mehr aktiv ist. Man hat Steffi Graf, die jahrelang inmitten der Weltspitze Leichtathletikgeschichte geschrieben hat, in ihrer Karriere nie einen positiven Test nachweisen können, Apropos: Ihre größte Konkurrentin Maria Mutola wurde bis heute nie geprüft, ebenso wenig wie bekannte Größen aus den USA und Kanada.

Namen?

Die kanadischen Eishockeyspieler wurden nie in Bezug auf Doping gecheckt. Da hat es in Turin 2006 offenbar ein Abkommen mit dem IOC gegeben. Jedenfalls ist es sehr sonderbar, dass man sich heute an einer Steffi Graf, die ein Segen für Österreichs Sportgeschichte gewesen ist, in Sachen angeblicher Sauberkeit im Sport reibt.

Was läuft falsch im Sport?

Im Großen und Ganzen eigentlich nichts. Sport ist heute neben der Rüstungsindustrie und dem Börsengeschäft einer der größten Weltwirtschaftszweige. Millionen von Menschen sind davon abhängig. Sport bewegt. Es gibt so gut wie keinen Menschen, der nicht irgendeine Art des Sportes persönlich lebt oder zumindest daran Anteil nimmt.

Wer sind die größten Sportler für Dich?

In Österreich gibt es vier: Toni Sailer, Karl Schranz, Franz Klammer und Hermann Maier.

Das sind alles Wintersportler?

Ja, wir haben aber auch sehr viele prominente Sportler in der wärmeren Jahreszeit, wie Leichtathleten, Segler oder Fußball-Größen wie Hans Krankl. Aber es ist nun einmal so: Die „Legenden“ haben wir im Wintersport.

Der Fußball in Österreich?

Wir sind kein Fußball-Land! Das gilt aber nicht nur für einzelne Bundesländer, sondern für ganz Österreich. Allerdings haben wir alle rund 20 Jahre eine gute Mannschaft: 1954 WM-Dritter, 1978 den legendären Argentinien-Sieg über Deutschland und 1998 das souveräne Auftreten bei der WM in Frankreich. Es fehlen bei uns zumeist aber charismatische Persönlichkeiten, sowohl im Spieler- als auch im Trainerbereich.

Und in Kärnten?

Auch wir haben offenbar nur alle 20 Jahre eine gute Mannschaft. Das war in den 1960er Jahren, dann wieder in den 1980er Jahren unter Walter Ludescher und zuletzt um das Jahr 2000. Was dann mit dem SK Austria Kärnten gekommen ist, war künstlich.

Resumee?

Kärnten ist leider kein typisches Fußball-Land, es ist ein Eishockey-Land. Und dem müssen wir Rechnung tragen. Der KAC als österreichischer Rekordmeister braucht wirklich eine neue Halle. Und da ist es egal, wo diese steht. Es geht nur darum, dem Verein eine Möglichkeit zu bieten, konkurrenzfähig zu bleiben. Die Halle benötigt 7.500 Plätze, um den 4.000 Abonnenten und den Werbeträgern gerecht zu werden.

Tono Hönigmann und Arno Wiedergut

Du kennst die gesamte Sportwelt, wer oder was wirst Du nie vergessen?

Als Muhammed Ali 1996 bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Atlanta schwer von seiner Parkinson-Krankheit gezeichnet das Olympische Feuer entzündet hat, waren nicht nur ich, sondern Millionen Menschen tief beeindruckt. Ich durfte diese berührende Szene aus nächster Nähe miterleben und werde sie mein ganzes Leben nicht vergessen. Der
wahrscheinlich größte Sportler eines Jahrhunderts hat mit immenser Kraft seiner Krankheit getrotzt – bewundernswert.

Du hast auch abseits des Sport viele Persönlichkeiten kennen gelernt?

Mein Gott, das ist der Lauf der Dinge, sprich unseres Journalistenberufes. Für mich ist jemand eine Persönlichkeit, die sich auch so zu benehmen weiß.

Und wen hast Du besonders in Erinnerung?

Ich wurde vom Manager der Ski-WM in St. Moritz gebeten, mit der monegassischen Familie zu Abend zu essen, da ich gut französisch kann. Es war ein schönes Erlebnis, mit Caroline, ihrem Mann Ernst August und der Tochter ganz ungezwungen zu plaudern. Ebenso bemerkenswert war meine Begegnung mit der schwedischen Königin Sylvia, die sich in Aare 2007 ganz „bürgernah“ gegeben hat.

Sportreporter gelten unter Kollegen manchmal als minderwertig?

Dazu ein Erlebnis: Ich bin stolz, allgemein gebildet zu sein. So war ich vor vielen Jahren als Kulturjournalist auf der Burgarena Finkenstein oberhalb des Faaker Sees bei einer Pressekonferenz mit Placido Domingo. Dass dieser weltberühmte Tenor nicht nur auf den größten Opernbühnen der Welt aufgetreten ist, sondern auch als Tormann bei Real Madrid, wusste nur ich: Wir haben uns herrlich unterhalten – von Hochkultur war keine Rede mehr, und die Zeit spielte auch keine Rolle.

Gibt es für Dich noch etwas anderes als Sport?

Ja, ich bin besessen, und zwar nach dem Kennenlernen unserer Welt. Ich reise, so oft es meine Zeit zulässt.

Und wohin?

Überallhin, da gibt es keine Grenze – weder auf der Landkarte noch im Kopf. Ich war inzwischen bei neun Olympischen Spielen, und beim Einmarsch der Nationen hab ich immer abgehakt, wo ich schon gewesen bin. Inzwischen sind es 120 Länder.

Was ist das Faszinierende am Sport?

Im Sport lernst du zuallererst verlieren zu können – und das ist Lebenskunde. Sportler verlieren nämlich viel öfter als so genannte normale Menschen. Und deswegen wissen sie einen Sieg weit höher einzuschätzen. Aus diesem Grund ist der Sport eine gute Lebensschule.

Bist Du ein glücklicher Mensch?

Wenn Glück Gesundsein und Zufriedenheit ohne Neid und Gier bedeutet, dann bin ich es.

Interview 15.07.2010 mit Arno Wiedergut, Robert Graf und Fotokünstler Klaus-Ingomar Kropf